Gästebuch der evangelischen Stadtkirchengemeinde Rüsselsheim
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Samstag, 12.12.2009 um 13:28 Uhr

Die Verbandsvertreterversammlung der evangelischen Kirchengemeinden in Rüsselsheim, die fast 15 000 evangelische Christen und Christinnen in Rüsselsheim vertritt, beobachtet mit Sorge die Entwicklungen am Vorplatz des Hauses der evangelischen Kirche in der Marktstraße 7. In diesem Haus sind die Verwaltung des Evangelischen Kirchengemeindeverbandes und das Evangelische Dekanat Rüsselsheim beheimatet. Weitere kirchliche Einrichtungen beabsichtigen, in das Haus einzuziehen. Das Haus dient außerdem als ein Ort kirchlicher Gastlichkeit für kirchliche und nichtkirchliche Gruppierungen der Stadtgesellschaft – die Synode des evangelischen Dekanats und ihre Ausschüsse, die Ehrenamtsakademie, die DGB-Senioren, die Gewobau, Ärztefortbildungen, kulturelle Zusammenkünfte verschiedener Träger, Veranstaltungen unterschiedliche Abteilungen der Stadtverwaltung (z.B. des Jugendbildungswerkes und Jugendamtes, des Frauen- und Integrationsreferates), andere konfessionelle und religiöse Gruppierungen wie die Internationale Gemeinde, die äthiopisch-orthodoxe und griechisch-orthodoxe Gemeinde und den alevitischen Kulturverein. Das Haus steht damit nicht nur für eine evangelische Gemeinde in Rüsselsheim, sondern repräsentiert evangelische Kirche in und für die Bürgerschaft der Stadt. Darum bedauern wir die Entwicklungen am Vorplatz dieses Hauses, die das Anliegen und Ansehen der evangelischen Kirche in Rüsselsheim betreffen. Wir verfolgen seit Jahren, wie die Geschwister aus der Stadtkirchengemeinde sich um konstruktive Modelle im Umgang mit den sozialen Fragen am Vorplatz dieses Hauses bemühen. Unsere Solidarität gilt dem Versuch, durch Errichtung des Bauzaunes und die begleitenden Gesprächsreihe zu einer Klärung von Fragen des Zusammenlebens und der Stadtentwicklung beizutragen. Wir bitten die Vertreter/innen der Stadt und die Bürgerschaft um die Mitwirkung an einer konstruktiven Lösung der anstehenden Fragen.

Rüsselsheim, am 3.12.2009



Donnerstag, 10.12.2009 um 13:39 Uhr

Die Diskussion um die Situation vor dem Gemeindehaus gerät immer wieder auf Nebengeleise.
Nun hat der Sozialausschuss wohl darüber beraten,, ob 100.000 € für aufsuchende Hilfen für einen Personenkreis mit Suchtproblemen und psychosozialen Schwierigkeiten bereit gestellt werden. Der Bürgermeister hält das für völlig überzogen, er weist – zu recht – auf umfassende Beratungsangebote in der Stadt hin. Herr Kustusch stellt fest, dass gerade an dieser Stelle (?) Sozialarbeit verfehlt sei, und beruft sich dabei auf die Caritas, die bei den einschlägigen Diskussionsrunden und Lösungsversuchen an den runden Tischen zum Thema Situation vor dem Gemeindehaus in den vergangenen Jahre meist nicht dabei war.

Es geht ja gar nicht um zusätzliche Hilfsangebote für die Personen. Es geht doch darum das Zusammenleben aller Menschen in der Stadt zu verbessern.
Nur, wenn alle Beteiligten sprachlos bleiben, wenn keiner nachhaltig ins Gespräch mit verschiedenen Personengruppen geht, wenn keiner Ausgleich herbei führt und jeder beklagt, dass er zu wenig Personal hat, dann ändert sich auch nichts.

Aber wer soll das tun ? Wer ist verantwortlich dafür dass etwas geschieht ?

An den vielen runden Tischen und in Arbeitsgruppen zum Thema Platz vor dem Gemeindehaus wurden seit Jahren immer wieder Konzepte und Erfahrungen anderer Städte aufgegriffen und diskutiert, z.T. von uns vorgestellt.

Es geht dabei darum das Zusammenleben im Öffentlichen Raum zu verbessern. Nicht um Hilfsangebote für bestimmte randständige Personengruppen. Das ist etwas anderes.
Wenn das Zusammenleben im öffentlichen Raum nicht mehr zufrieden stellend gelebt werden kann, muss wohl Intervention her. Dies sehen diese Konzepte vor. Meist konzertierte Aktivitäten von Ordnungsbehörde und sozialer Arbeit, mit hoher Verbindlichkeit.
Hierfür müssen personale Ressourcen zur Verfügung stehen, bei allen Beteiligten. Sonst wird sich nichts ändern.

Mit freundlichen Grüßen


Jürgen Dittmar
Leitung des regionalen Diakonischen Werkes Groß-Gerau / Rüsselsheim




Freitag, 20.11.2009 um 19:24 Uhr

Das ist meine Meinung zum Thema Gemeindehausvorplatz in Rüsselsheim:

Brennpunkte entstehen nicht nur aus einer Not heraus, sondern haben auch mit
Bequemlichkeit zu tun. Die gesellschaftliche Ignoranz gegenüber Brennpunkten
wie in diesem Fall, kann dazu führen, dass die Not sich institutionalisiert,
verewigt und dort eine Subkultur entsteht die Eingliederungsversuche
zunichte macht.

Gerade an Orten wo prekäre gesellschaftlichen Verhältnisse die Oberhand zu
nehmen drohen hat die Wahrung der noch bestehenden gesellschaftlichen
Institutionen den Vorrang vor der Akzeptanz von Verwahrlosung. Die Lösung
eines Problems geschieht nicht dadurch, dass man es schön redet oder sich
auf pseudosoziale Floskeln zurückzieht, sondern dadurch dass man sich der
Herausforderung stellt und es anpackt.

Mordechai Pasternak



Mittwoch, 18.11.2009 um 16:51 Uhr

Je mehr ich über die jahrzehntelangen unfruchtbaren Bemühungen höre und lese, die von der Kirchengemeinde ausgingen, umso mehr Verständnis entwickle ich dafür, dass dieses starke Zeichen gesetzt werden musste.

Während einer Stadtführung unter dem Motto „Heimat Rüsselsheim“ ging ich in diesem Sommer mit einer Gruppe von Frauen durch die Innenstadt. Ich war sehr überraschend, als einige gerade der jüngeren Frauen sagten, dass sie gerne öfter in die Stadt kämen zum einkaufen und bummeln, mit ihren Kindern und Freundinnen, wenn sie sich hier sicherer fühlen würden. Sie hätten regelrecht – auch tagsüber - Angst durch die Marktstraße zu gehen. Die Frauen sprachen von ihrer Angst und ihren Bedürfnissen, nicht von Vorurteilen gegen Menschen, die anders aussehen und sich anders verhalten als sie selbst.

Mich stimmt positiv, dass die Auseinandersetzung jetzt geführt wird. Was sehr lange verdrängt, ignoriert und nicht angegangen wurde, kann nun auch nicht im Schnellgang erledigt werden. Wir stehen in Rüsselsheim – wie andernorts auch – vor komplexen Problemen, die von einer Stadtgesellschaft und von ihren politischen VertreterInnen als solche realisiert und in die eigene Verantwortung genommen werden müssen. Die Konflikte alleine an Kirchenvertreter, an Sozialverbände und an überforderte Sozialarbeiter und Streetworker abzugeben, ist nicht mehr länger möglich. Dorothea Castor




Samstag, 14.11.2009 um 12:39 Uhr

Ein Zaun ist ein starkes Symbol! Er schützt, aber er trennt auch. Die Tatsache, dass euer Bauzaun von vielen als Mauer bezeichnet wird, zeigt mir vor allem eins: Dieser Zaun existierte schon lange vor seiner Errichtung. Alle Rüsselsheimer Bürger die an eurem Platz vorbeigingen und geflissentlich den Kopf wegdrehten, hatten ihn in ihren Köpfen. Damit ist es vorbei, jetzt kann keiner mehr wegsehen. Vielen fällt das schwer und es ist einfach euch dafür den schwarzen Peter zuzuschieben.

Ich bin euch sehr dankbar, dass ihr eben keine Mauer zum verstecken gebaut habt, sondern einen Zaun errichtet habt, der den Platz in eine Bühne verwandelt, auf der jetzt etwas geschehen muss. Möge euch der Herr viel Kraft geben, dass ihr den Weg von Diskussion und konstruktivem Streit noch lange gehen könnt.
Meiner Solidarität könnt ihr euch sicher sein.

Geert Ernst
Prädikant Königstädten



 
Freitag, 13.11.2009 um 21:04 Uhr

Wir bekommen Euer Anliegen, als Gemeinde und Kirchenvorstand, schon seit längerer Zeit mit, das Gemeindehaus und den Vorplatz auf der Einen Seite zu öffnen und auf der anderen Seite auch jeglicher Verwahrlosung entgegenzustehen. Ich bewundere Eure Geduld und die Leidensbereitschaft, mit der Ihr in diesem Prozess versucht, christliche Nächstenliebe zu praktizieren und trotzdem nicht grenzenlos zu sein. Ich möchte Euch meinen Respekt und meine Hochachtung ausdrücken, weil das vor den Augen und Ohren der Bürger unserer Stadt ein wirkliches Vorbild gelebten Christenglaubens ist. Vielen Dank für die Offenheit und Transparenz, mit der ihr um eine Lösung ringt! Wir sind echt Stolz, solche festen und auch streitbaren „Schwestern und Brüder“ hier in Rüsselsheim zu haben.

Wir werden Euch nach Kräften durch Besuch Eurer Gesprächsreihen unterstützen und wünschen Euch von ganzem Herzen ein erfolgreiches Ergebnis! Möge die Liebe Christi für alle Augen sichtbar und greifbar werden!

Pastor Andreas Gens, Josuagemeinde



Montag, 02.11.2009 um 20:39 Uhr

Liebe Besucher,

zum 02. November 2009 wurde das alte Gästebuch durch ein neues ersetzt. Falls Sie die bisherigen Beiträge lesen möchten, sind diese im alten Gästebuch noch verfügbar.

Die Adresse lautet: http://www.sebastian-kern.de/gb.php?id=5440

Wie freuen uns auf Ihre Einträge!



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