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Maya |
Eingetragen am Mittwoch, 18.07.2007 um 23:50 Uhr
Lieber Gregor, (liebe Alle)ich verstehe deinen skeptischen Blick auf einen Berlinweiten VBA mit "aja-Charakter" sehr gut. In langen Diskussionen haben wir uns gefragt, inwiefern dieser VBA funktionieren würde und vor allem - wie du fragst - inwiefern dieser VBA Zulauf hätte. Und ich glaube, dass ein solcher VBA sehr wohl Zulauf hätte. Viele "ältere" Ehrenamtliche, die z.B. mittlerweile ihre sechste VBT hinter sich haben und ihre dritte Betreuung abgeschlossen, ziehen sich aus der Programmarbeit zurück. Aus diesem Grund haben wir vielleicht in den letzten Jahren so regelmäßig und viel konzeptuelle Arbeit gemacht und machen können: Weil ältere VBAler sich auf einer anderen Ebene im VBA engagieren wollten, die ihnen in ihrer Erfahrungslage mehr für sie persönlich gibt, als es VBTS nach so viel Erfahrung noch tun können. Diese Entwicklung kann man z.B. auch bei AFS sehen – du hast sie bereits angesprochen… Viele AFSer haben nach Jahren der Programmarbeit keine Lust mehr auf Komiteearbeit und engagieren sich daher entweder in den Programmgruppen (PGs), in Projekten des AFS oder aber z.B. im Trainingsbereich. Genau diese Leute gibt es auch in Berlin und anstatt dass sie dem VBA verloren gehen, weil sie für sich keinen Mehrwert an der Arbeit sehen, könnten sie sich dann in dem Berlinweiten VBA engagieren, der dann andere Funktionen hätte. Wir wollten im VBA immer gute Trainings organisieren, wollten uns durch Lobbyarbeit mehr positionieren – ich habe die Erfahrung gemacht, dass dafür neben der täglichen Arbeit leider sehr wenig Zeit blieb. Ein VBA, der sich damit beschäftigen würde, hätte daher alle Zeit der Welt, Berlin endlich als Stadt des Austausches zu positionieren. Ich glaube, dass wir auch Alumni, die Mitte 30 und Älter sind, in eine solche Arbeit viel mehr einbinden könnten, und ihnen dieser VBA attraktiv erscheinen würde. Ich stimme dir aber zu, dass dieser VBA keiner ist, in dem sich Freshies sofort engagieren würden, denn die meisten möchten erstmal Programmarbeit machen und dort Erfahrungen weiter geben. Nichtsdestotrotz suchen viele Returnees nach ein paar Jahren nach weiteren Erfahrungsmöglichkeiten – und da wissen sie dann, dass es den VBA als tolles Austauschnetzwerk in Berlin gibt und fangen sich an, auch dort zu engagieren. Wie sollen die vom VBA engagieren? Ist das nicht nur eine abgehobene Institution? Auf dem Diskussionstreffen am 24.6. haben wir lange über einen solchen VBA gesprochen und festgestellt, dass wir uns diesen VBA vor allem als richtiges Netzwerk des Erfahrungsaustausches wünschen und daran sehr großer Bedarf besteht: Wenn in Berlin in den Komitees und in der Landesgruppe die AFS und YFU Konzepte in der Programmarbeit durchgeführt werden, so kann man sich endlich darüber unterhalten, welche Erfahrungen wir mit den Konzepten gemacht haben und sich gegenseitig im VBA auf Netzwerktreffen austauschen. So könnte der VBA zum Beispiel regelmäßig vor Anreise der Austauschschüler Treffen organisieren, auf denen man sich über spezielle Erfahrungen mit asiatischen oder lateinamerikanischen Schülern austauscht, um von einander zu lernen. Solche Treffen können dann in aller Ruhe vom VBa organisiert werden, ohne dass sie den Komitees und der Landesgruppe Zeit wegnehmen. Auch haben wir in den letzten Jahren viel Anstrengung in social activities (VBA-Sommerfest, VBA-Ball) gesteckt, haben anstregend damit gerungen, doch noch 80 Gäste für den VBA-Ball zu bekommen – so kann der zukünftige VBA in Berlin einmal jährlich ein riesiges Berlin weites Austauschfest/ball veranstalten – ich glaube der Bedarf ist da – sodass so etwas auch tatsächlich statt finden wird. Und genau durch solches regelmäßigen Netzwerktreffen und Feste erfahren auch die Returnees früh genug vom VBA und von der Möglichkeit sich dort anregenden Aufgaben widmen zu können. Gregor, du schreibst, dass es nicht nur einen Weg zu tollem interkulturellem Schüleraustausch gibt, wie wir bei AFS und YFU sehen können. Und das dann auf dem Weg zu der Wahrheit auch noch ein Platz für den VBA wäre… Wie stellst du dir diesen VBA denn in seinem Verhältnis zu AFS und YFU vor? Das hört sich für mich nach einem dritten Weg an (den wir vielleicht jetzt auch schon gehen), aber dann kann ich das nicht mehr mit meinem Verständnis vereinen, dass wir AFS-Komitee und YFU-Landesgruppe sind. Dann sind wir doch vielmehr eine Berliner Austauschorganisation für gemeinnützigen interkulturellen Schüleraustausch nach AJA-Verständnis… Haben wir dann noch eine Legitimation uns Tochterorganisation zu nennen? Liebe Grüße, Maya |
Gregor |
Eingetragen am Mittwoch, 18.07.2007 um 14:38 Uhr
Hallo zusammen,Nachdem ich anfangs noch ein bisschen mehr mitgeschrieben habe, habe ich die Diskussion nur noch aus der Ferne verfolgt. Jetzt, zurück in Berlin, will ich doch auch noch einmal kommentieren - leider kann ich Anfang August nicht dabei sein... sollte aber zum Sommerfest kommen. Hier also ein paar Gedanken: Ich stimme mit Ed in vielen Dingen überein. Vor allem wenn es um die Frage geht, was der der VBA noch machen wird und warum sich jemand dafür engagieren sollte, wenn die operative Programmarbeit abgetrennt wird. Die derzeitge Diskussion fußt doch unter anderem auf der Feststellung das wir zu wenig motivierte Mitarbeiter haben. Wenn nun die neuen, geteilten Strukturen mehr Mitarbeiter für die Programmarbeit erzeugen, was ist der Reiz sich im VBA zu engagieren? YFU wäre sowieso berlinweit und AFS hat schon diverse Gruppen (siehe PG Ost, Forum usw.) die überregional zusammenarbeiten... wo bleiben da die Kapazitäten der Berliner? Es tut mir leid, aber ich werde seit dem Anfang der Diskussion das Gefühl eines "Ausverkaufes des VBA" nicht los. Mir scheint die Trennung von Anfang an beschlossene Sache und die Frage nach dem Wie in vielen Fällen Augenwischerrei. Ich halte viel auf Deine Meinung Torsten, aber wie schon geschrieben, Deine Vision für den VBA als eine weitere Zwischenebene halte ich nicht für realistisch. Mag sein, dass sich noch ein paar Jahre lang ehemalige "Officer" engagieren, aber wer soll dann wie nachwachsen? Komitees und Landsgruppe machen vielleicht die Integration der Berliner in die landesweiten Strukturen einfacher, aber wie wird man den VBA kennen lernen? Nein, ohne Programmarbeit kann ich mir den Verein nicht vorstellen - es sei den wir gründen die erste ehrenamtliche Vertretung des AJA, der aber auch keinen direkten Nachwuchs hat. Und noch eins: Wir betonen immer die ideologische Ähnlichkeit von AFS und YFU. Wie kommt es, dass die beiden Organisationen mit so völlig unterschiedlichen und angeblich unvereinbaren Wegen die gleichen Ziele anstreben und erreichen? Es gibt mal wieder nicht nur eine Wahrheit - und da ist auch Platz für den VBA. Und wenn ich noch einmal höre, dass es günstig für AFS ist, wenn Berlin vier weitere Komitees für die 100 Angestrebten zum 60. Jubiläum bereit stellt... ... ... Übrigens, gegenüber einem Zwei-Mann-Komitee mit Dienst nach Vorschrift hat ein berliner Verein auf jeden Fall einen Mehrwert! So, dies erst einmal als Rückmeldung meinerseits. Ich bleibe selbst bei einer Auflösungsdiskussion noch am Ball - und würde mich aber auch sonst freunen die eine oder den anderen mal wieder zu sehen. Beste Grüße, Gregor |
Ed Rieger www.merieger.de |
Eingetragen am Mittwoch, 11.07.2007 um 01:21 Uhr
Hallo Allerseits,vielen Dank für die Kommentare. Maya, Deine Erweiterungen finde ich gut, wenn ich mich auch erschrecke, wie fundamental da gerüttelt wird... Man muss dann übrigens noch weiter gehen und fragen, was eigentlich "unsere" Ziele sind. Sehr gern ergebnisoffen und ohne Tabus. Trotzdem: Schade, dass das Büro nur noch als lästiger Aktenablageort gesehen wird, der Arbeit macht und Kosten verursacht. :-( Torsten, zunächst herzlichen Dank für die Dokumente und die anregenden Gedanken. Was mich am kompakten Vorschlag noch nicht überzeugt ist 1. die Rekrutierung von Ehrenamtlichen für den "neuen VBA". Woher kommt die Identifikation, wenn ich vorher als AFSer oder YFUer sozialisiert bin? Und was ist dann 2. der Mehrwert zu dem, was AFS, YFU und AJA bieten? Dabei finde ich es sehr auffällig, dass viele der Formulierungen gerdezu so aussehen, als wären sie von AFS abgeschrieben (á la Marktführerschaft im IKL, Fundraising vor Ort, Alumniarbeit etc.). Was haben 3. AFS und YFU in 5 Jahren noch davon, mit einem "neuen VBA" (ohne Programmarbeit) zu arbeiten? Die beiden könnten den VBA irgendwann wirklich überflüssig finden (und er sich auch, weil die ja überregional und lokal schon gute Arbeit leisten). Wie viele VBA-Mitglieder werden ihren Mitgliedsbeitrag schnell als überflüssig empfinden? Ich bin für eine offene Diskussion, ich wünsche mir für den VBA einen "Spitzenplatz" in dem, was er macht. Auch werde ich nicht wie Waldorf und Statler mit Heribert (oder wer gern dabei sein möchte) auf einem Balkon sitzen und lästern. Gern möchte ich Euch unterstützen, die Besonderheiten, die den VBA ausmachen werden (und von AFS und YFU unterscheidbar machen) zu konkretisieren und die Identifikationsmöglichkeiten attraktiv zu machen. In dem Sinne, herzlich --ed |
Carlo |
Eingetragen am Mittwoch, 27.06.2007 um 20:52 Uhr
Bericht vom Diskussionstreffen am 24.06.:Der VBA muss nicht sterben, auch wenn er schwer krank ist. Als ich erfuhr, dass der VBA umstrukturiert oder vielleicht aufgelöst werden soll, dachte ich, so ein Mist. Jahrelange habe ich gebraucht, um mich als Zugereister einzugewöhnen, habe eine Identität im VBA und Freunde gefunden, und jetzt wollen sie mir das wieder nehmen. Das geht doch nicht, wir haben doch eine Tradition! Aber ich musste mich eines Besseren belehren lassen und bin überzeugt, dass eine Umstrukturierung des VBA mit einer Aufteilung der Programmarbeit in AFS und YFU, kleineren AFS Komitees und einer YFU Landesgruppe, die Chance hat, mit dem VBA als verbindende Organisation, den Austausch in Berlin wieder zu einem Ort der Innovation für beide Organisationen werden z, lassen - ohne, dass der verbindende „Geist" des VBA verloren geht. Qualität und Quantität der Arbeit können verbessert werden. Bei dem Diskussionstreffen am 24. Juni musste ich in einer konstruktiven Runde erfahren, was es genau Aufsicht hat mit der Reform. Viele Teilnehmer hatten anfangs Bedenken, aber am Schluss gab es sogar fast eine euphorische Aufbruchstimmung mit der Perspektive Neues zu entwickeln und Positives des VBA zu erhalten. Carlo Nordloh AFS Jahrgang 1983 und seit 1996 im VBA |
Jaakko Johannsen |
Eingetragen am Montag, 25.06.2007 um 11:17 Uhr
Hallo liebe Leute,wie war das gestrige Treffen? Ich bin sicher, daß es ein irgendwie geartetes Dokument/Protokoll geben wird. Daneben interessieren mich aber vor allem auch O-Töne der Anwesenden. Würde mich freuen, wenn es in diesem Forum dazu Beiträge gäbe. Vielen Dank im voraus! Anteilnehmenden Gruß aus München, Jaakko (oder auch JJaakkoo)
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Maya |
Eingetragen am Freitag, 22.06.2007 um 19:40 Uhr
Liebe Alle, lieber Ed, Ich denke auch, dass eine gemeinsame Identität der wichtigste Ausgangspunkt für eine fruchtbare und begeisternde Austauscharbeit ist. Und ich glaube, dass diese Identität uns im VBA zurzeit nicht so klar ist. Gehört es z.B. zwingend zur Identität, dass AFS und YFU-Programmarbeit zusammen gemacht wird? Oder gehört zu unserer Identität vielmehr, qualitativ hochwertige Austauscharbeit für möglichst viele zu machen? Erreichen wir letzteres heute und morgen noch durch eine gemeinsame Programmarbeit? Ich finde, wir müssen uns die Chance zu geben, diese Fragen ehrlich und offen zu diskutieren und vor allem zu enttabuisieren. In diesem Zusammenhang würde ich dann auch Eds folgenden Fragen anders formulieren: Ich glaube nicht, dass es lauten sollte "Welche Strukturen sollen geschaffen werden, um den Vorstand zu entlasten? Welche Aufgaben soll der Vorstand haben?" Vielmehr sehe ich eine davor gelagerte Frage, nämlich: Wie soll eine Struktur aussehen, um unsere Ziele zu verwirklichen und welche Gremien braucht eine solche Struktur? Ob sie dann einen Vorstand braucht nach der Form, wie er jetzt aussieht, oder aber einen Landesvertreter und seine Referenten, oder aber eine Vertretung aller Aktiven, die gemeinsam entscheiden und einige Koordinatoren wählen, das muss meines Erachtens anschließend an die Frage beantwortet werden. Zur Identität schreibst du weiter, dass ein Büro wichtig für die Identität ist, deshalb müsse die Frage gestellt werden, wo ein solches Büro seien solle und welcher Ort bestmöglich identitätsstiftend wäre. Ich glaube auch, dass Orte identitätsstiftend sind und finde es deshalb wichtig, dass wir bei der gesamten Diskussion um die adäquate VBA-Struktur diesen Punkt bedenken. Wir sind die einzige Landesgruppe und das einzige Komitee, das ein Büro hat und in unserer aktuellen Struktur haben wir das Büro auch aus guten Gründen (Aufbewahren von Akten, Dokumentationen etc.). Aber nur weil wir in den letzten Jahren das Büro als identitätsstiftend wahrgenommen haben, heißt das noch lange nicht, dass es zwingende Voraussetzung für eine zukünftige Struktur und unsere zukünftige Austauscharbeit ist. Denn wie wir an unseren anderen Komitees und LGs in Deutschland sehen, haben auch diese ihre ganz besondere Identität – ohne ein Büro. Womöglich haben es Berliner, die an das VBA-Büro gewöhnt waren, auch als irritierend wahrgenommen, z.B. in eine andere Landesgruppe zu kommen und kein Büro dort vorzufinden, in dem man einen zentralen Treffpunkt hat. Doch das kann man vielleicht auch einfach als kleinen Kulturschock werten und nicht als Indiz dafür, dass unsere „Büro-Struktur“ die beste Möglichkeit der Identitätsstiftung ist. Deshalb glaube ich, dass die Frage in der aktuellen Situation ist: Wie können wir unsere Ziele in welcher Struktur bestmöglich verwirklichen? Und braucht diese Struktur überhaupt ein Büro? Gibt es überhaupt einen Mehrwert neben den Mietkosten, dem Aufräumaufwand, dem Bürodienst, den man organisieren muss, den Wartungskosten für die PCs, den Wartungen der Datenbanken etc? Liebe Grüße, Maya |
Katrin |
Eingetragen am Montag, 18.06.2007 um 11:09 Uhr
So, dann werde ich hier auch mal meinen Senf dazugeben:@Andi: ich habe dummerweise gerade erst deinen Eintrag gelesen, sonst hätte ich dir gestern dazu schon persönlich meinen Kommentar abgeben können. Einige deiner Aussagen zu den AFS-Auswahlen sind leider falsch: 1. Es gibt von AFS konkrete Aussagen dazu, wie Auswahlen durchzuführen sind 2. Die VBA-Auswahlen erfüllen zur Zeit die AFS-Anforderungen nicht (mindestens ein Minamalstandard wird nicht eingehalten und gegen mindestens ein No-No wird verstoßen) - das sollte jeden auffallen, der das AFS-Auswahlhandbuch liest. Des weiteren verstehe ich auch deine Argumentation nicht, warum Schüler "bevorzugt" werden, wenn sie AFS-Auswahlen und YFU-VBTs haben... (könnte aber daran liegen, dass ich noch nie eure VBT life erlebt habe). Ansonsten kann ich an dieser Stelle nicht viel neues zur Diskussion beitragen, freue mich aber schon darauf, gemeinsam mit euch allen tolle neue Konzepte zu entwerfen |
Jaakko Johannsen |
Eingetragen am Montag, 18.06.2007 um 10:00 Uhr
Hallo Ed (und alle anderen),ich kann das nur unterstreichen. Identität in den Mittelpunkt (das wird ja bereits gemacht und ist aus meiner Sicht auch der vielversprechendste Weg.). Den Punkt ORT finde ich extrem wichtig. Ich war leider seit der CHaussee-straße in keinem "Office" mehr, kann deshalb auch nichts zum aktuellen Ort sagen. Ich habe die ersten Umzüge vom Amihaus nach Unter-den-Linden (teils in Verantwortung) mitgemacht und die Effekte waren oft unvorhersehbar, aber immer gravierend. Auch im Berufsleben und bei anderen Institutionen wird klar: Den Ort der Begegnung als identitätsstiftend wahrzunehmen ist wirklich wichtig! Mindestens genauso wichtig, wie das, was dort dann passiert, wenn nicht wichtiger. Sowas wird selten in Worte gefasst, drückt sich aber in körperlichem Wohl- oder eben Unwohlbefinden aus (zentral für Motivation!). Für die Zukunft des VBA: Alle Kristallisationspunkte von Identität (Vorstand, Zentrale, Bezirksgruppen, wie auch immer...) tun gut daran, die Frage des WO sehr wichtig zu nehmen. Lieben Gurß aus München, Jaakko |
Ed Rieger www.merieger.de |
Eingetragen am Montag, 18.06.2007 um 02:19 Uhr
- Achtung, langer Text, Essenz am Ende - Liebe Freunde, das Thema Identität beschäftigt mich seit meinem Austauschjahr (88-89). Damals hielt ich mich für einen Berliner, Deutschen, Europäer, Mensch. Evangelisch geprägt, leidenschaftlicher Radfahrer, Gymnasiast und großer Bruder. Mit Interesse an Menschen und hungrig auf interkulturelle Erfahrungen. Nach dem Austauschjahr war klar, dass nun auch das Gastland und in Zukunft besonders die anderen Ehemaligen mit ihren so ähnlichen Erfahrungen eine „Heimat“ boten. Einerseits gab es also die Vielschichtigkeit der Identität, die aus der Herkunft stammt, andererseits die neue Identität als VBA-AFS-Ehemaliger, die eine Zukunftsperspektive bot. Später habe ich mich stärker überregional bei AFS beteiligt – und wurde immer wieder (nicht vorurteilsfrei) mit meiner berliner Herkunft konfrontiert. Ende der 80er, Anfang der 90er Jahre haben wir ca 45-50 Schüler entsendet, eine Handvoll aufgenommen. Die Zahl der Mitarbeiter überschaubar. Dazu gab es über viele Jahre Ehrenamtliche, die nahezu ihre komplette Freizeit mit (auch rein administrativen) VBA-Tätigkeiten verbracht haben. Und so gab es für alle Anderen die Möglichkeit, sich auszuprobieren. Heute gibt es diese Bereitschaft, vollzeitehrenamtlicher zu sein, wohl nicht mehr. Früh gelernt habe ich, dass etwa ein Drittel der Returnees nicht mitarbeitet, ein weiteres Drittel noch ein Jahr lang dabei ist und das letzte Drittel dann noch länger. Einen wichtigen Bruch erlebte ich, als wir mit dem Büro aus dem „Amihaus“ in der Hardenbergstraße ins alte FDJ-Hauptquartier Unter den Linden zogen. Da ging westberliner Identität verloren und mit ihr einige jahrelange Ehrenamtliche. Meine Vermutung ist, dass die vielen Umzüge seither ähnlich gewirkt haben. Es fehlt also ein identitässtiftender (was auch immer das für jeden Einzelnen bedeuten mag („kultig?“)) Ort. Das aktuelle Büro ist das nicht. In jeder Organisation, die wächst, ändern sich die Aufgaben! Anfang der 90er bekamen wir dann 2 ABM-Kräfte, um das KSZE*-Programm durchzuführen. Plötzlich waren wir in der Personalverantwortung! Unsere Mitarbeiter erwarteten klare Aufgabebeschreibungen, Feedback – Führung! Darauf waren wir nicht vorbereitet und das war jahrelang schwierig. Heute ist der Verein weiter gewachsen und so haben sich auch die Aufgaben an die „Führungspersönlichkeiten“ deutlich verändert. Das müssen wir akzeptieren. Wir müssen denjenigen interessante Aufgaben geben, die mitarbeiten möchten. Und wir müssen Entlastung schaffen für diejenigen, die unter der Arbeitsbelastung leiden. Wachsende Größe führt auch zu mehr Regeln. Hier ist es notwendig, die wesentlichen Regeln für alle deutlich zumachen. Für alles Weitere gibt es dann Experten (z.B. Programmbeauftragte). Als Beispiel: wir leben alle und „funktionieren“ als Deutsche, ohne viele Gesetze – geschweige denn das Grundgesetz – gut zu kennen. Ich finde kann mich nur Jaakko anschließen, dass Ihr den Prozess gut gestaltet. Weiter so! Voreilige Entscheidungen würden dem Verein das Genick brechen. Meine größte Befürchtung ist, dass wir uns von der Durchführung des Entsendeprogramms verabschieden. Da geht Identität und auch der Nachwuchs verloren. Für mich sind das die wesentlichen Punkte, über die diskutiert werden muss: 1) Wie schaffen wir in Zukunft eine gemeinsame Identität? 2) Wie begeistern wir junge Returnees dafür, sich verbindlich für eine gewisse Zeit zu engagieren? 3) Welche Aufgaben hat der Vorstand? Welche Strukturen müssen geschaffen werden, um den Vorstand bei seinen Aufgaben zu entlasten? 4) Wie machen wir aufstrebende Mitarbeiter fit, die neuen Aufgaben im Vorstand / im Verein zu übernehmen? Und als Zusatzfragen: 5) Was bieten wir denjenigen, die die Mitarbeit von vorn herein als kurze Episode in ihrem Lebenslauf betrachten? 6) Wie binden wir (ältere) Ehemalige an den Verein? 7) Wo sollte der VBA ein Büro haben? Welcher Ort wäre für die vielen verschiedenen Menschen identitätsstiftend? Herzlich Ed |
Martin Fischer |
Eingetragen am Samstag, 16.06.2007 um 11:35 Uhr
Liebe Leute,viele Punkte sind angesprochen, die ich teile - so möchte ich z.B. auf Andis Argument, dass die Motivation, sich in einem ehrenamtlichen Verein zu engagieren, sowohl von der ideellen Verbundenheit als auch von persönlichen Gründen abhängt. Ich denke auch, dass das stimmt und dass vielleicht die "Professionalisierung", die wir in den letzten Jahren durchgemacht haben, der zweiten Dimension nicht gut getan hat. Genau deswegen stellt sich aber die Systemfrage, selbst wenn ich auch immer nur einen genauso kuscheligen VBA wie immer haben wollte (Grüße an Jaakko *g), denn hatten wir eine Alternative zur "Professionalisierung"? Nein: erstens stand der VBA 1998 kurz vor dem Abgrund und wir mussten versuchen, eine neue Form zu arbeiten fidnen. Zweitens stagnierten wir von den Zahlen her und sie trotz aller Versuche nie über 35 ATS und 130 Kids herausgekommen. Klar ist das nicht schlecht, aber ich verstehe es (auch wenn es mir nicht gefällt), wenn uns sowohl AFS als auch YFU mit anderen Komitees / LGs und anderen Städten vergleichen. Schüleraustausch ist etwas so gutes, dass wir alles dafür tun müssen, um ihn so vielen Menschen wie möglich zukommen zu lassen - und nicht so vielen, wie wir halt, ohne uns zu ändern, schaffen. Ein zweiter Punkt, den ich sehe, ist der, dass der VBA immer eine Sonderstellung bei AFS und YFU hatte - und diese Sonderstellung muss man rechtfertigen. Nur wenn wir mit unserer Sonderrolle auch einen Mehrwert bringen, haben wir das Recht, uns diese Sonderrolle (andere Organisationsform, Zusammenarbeit mit einer anderen Organisation, völlig andere und anders durchgeführte Veranstaltungen, die für alle anderen lokalen Gliederungen von AFS und YFU einfach mal vorgeschrieben sind) herauszunehmen. Und in meinen Augen haben wir diese Berechtigung nicht, denn in meinen Augen führen wir eben nicht die besten Auswahlen und die besten Vorbereitungstagungen mehr durch, wir leisten auch sonst nichts, was eine 08/15-LG oder -Komitee nicht auch macht - und, above all: das wird sich nicht durch "einen guten Jahrgang" ändern. Gute Jahrgänge fallen nicht vom Himmel, sie werden durch gute Arbeit (und ein bißchen Glück) erzeugt. Diese Arbeit haben wir lange geleistet und stehen jetzt trotzdem da, wo wir jetzt sind, und - es macht sie auch keiner, was man (in vorauseilender Antwort auf Einwände) meiner Meinung nach nicht z.B. auf eine Demotivierung durch diese Diskussion zurückführen kann, sondern tiefere Ursachen hat... vielleicht ja die Professionalisierung, vielleicht auch externe Gründe. Mir ist relativ gleich, wo wir im Endeffekt hingelangen, aber Simon hat Recht, wenn er sagt, dass wir "dopen" müssen. Die Gegenwart kann nicht mehr unseren und den legitimen Ansprüchen unserer anderen Stakeholder genügen. Und der "alte VBA", in dem wir groß geworden sind, funktioniert einfach nicht mehr. Beste Grüße, Martin |
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